SEXUALPÄDAGOGIK UND GEWALTPRÄVENTION: 8H

Die Entwicklung der Sexualität bei Kindern

Kindliche Sexualität ist nicht im Sinne der erwachsenen Sexualität zu verstehen; Sexualität gehört zur persönlichen Entwicklung des Kindes. Die Entwicklungsschritte geschehen einerseits durch körperliche Erfahrungen, andererseits durch die Sprache.

Ab 7 Jahren interessiert sich das Kind für sexuell gefärbte Wörter und versucht, Sexualität durch Sprache besser zu verstehen. In diesem Alter kann das Kind ein starkes Schamgefühl haben und gleichzeitig von der Sexualität fasziniert sein. Eine Neugierde für das „Verbotene“ entwickelt sich: Liebesszenen in Filmen, Abbildungen, Internetseiten, usw. In diesem Entwicklungsstadium spielt seine Vorstellungskraft eine wesentliche Rolle.

Bereits im Alter von 9 Jahren können die ersten Anzeichen der Pubertät auftreten. Die Pubertät ist eine hormonelle Umwälzung, die jedes Kind in seinem eigenen Tempo erlebt. Dies führt zur Reaktivierung des sexuellen Interesses und dem Auftauchen von Begehren. Fragen zur Normalität sind häufig.

Im Laufe der Zeit legt das Kind immer mehr Wert auf (reale und/oder virtuelle) Freundschaften und hat das Bedürfnis, zu einer Gruppe zu gehören. Gefühle von Treue und erster Liebe sind in dieser Altersgruppe sehr verbreitet.

Programm

Ziele der Sexualpädagogik in der Schule

Die Sexualpädagogik vermittelt Sexualität unter den Gesichtspunkten der Gesundheit, der Lust, des Respekts und des gesetzlichen Rahmens in ihren verschiedenen Dimensionen: biologisch, emotional, soziokulturell und relational. Sie verfolgt das pädagogische Ziel, durch die Stärkung der Fähigkeit der Kinder, ihren Körper besser wahrzunehmen, ihre Empfindungen und Emotionen zu erkennen und auszudrücken, in konkreten Alltagssituationen Lösungen zu suchen und um Hilfe zu bitten

Die Botschaften werden durch folgende Themen vermittelt:

  • Sexualität in ihrer biologischen, emotionalen und psychischen Gesamtheit
  • Körperliche und emotionale Veränderungen in der Pubertät und deren Normalität
  • Vielfalt der Menschen und der Respekt vor jedem Einzelnen
  • Gesetze zum Schutz von Minderjährigen: sexuelle Gewalt, Pornographie, Nudes
  • Vertrauenspersonen und Anlaufstellen, die bei Bedarf helfen können
  • Stereotypen und Mythen, die von den Medien verbreitet werden

Informationen zur sexuellen Integrität

Die Weltgesundheitsorganisation definiert den sexuellen Missbrauch eines Kindes oder sexuelle Gewalt an einem Kind als die Teilnahme eines Kindes an „sexuellen Aktivitäten, die es nicht vollständig verstehen oder in die es nicht vollständig einwilligen kann, auf die es entwicklungsmässig nicht vorbereitet ist oder welche die Gesetze oder gesellschaftlichen Tabus verletzen“.

Sexueller Missbrauch, in welcher Form auch immer, ist eine strafbare Handlung und wird im Strafgesetzbuch, im Sexualstrafrecht (Art. 187, 197 und 198), im Schweizerischen Zivilgesetzbuch (Art. 307, 308 und 310) und im Walliser Jugendgesetz (Art. 53, 54 und 55) geregelt. In den meisten Situationen von Misshandlung oder sexuellem Missbrauch drückt das betroffene Kind seinen Kummer eher durch sein Verhalten als durch Worte aus. Es ist daher wichtig, auf Veränderungen in der Stimmung und im Verhalten des Kindes zu achten (Traurigkeit – Aggressivität –
Schlaf- / Essstörungen – plötzliche Weigerung, eine Aktivität fortzusetzen oder nach Hause zu gehen – Angstzustände – Konzentrationsprobleme – Versagen in der Schule – sehr anhängliches Verhalten – Bauchschmerzen – Infektionen des Genitaltrakts – Verletzungen,…).

Vorsicht: Besorgniserregendes Verhalten bei Kindern kann verschiedene Ursachen haben.

Wenn ein Kind misshandelt oder sexuell missbraucht wird, ist wichtig:

  • Hören Sie ihm zu und nehmen Sie es ernst.
  • Versprechen Sie ihm nicht absolute Geheimhaltung, sondern grosse Verschwiegenheit.
  • Stellen Sie nur die Fragen, die für das Verständnis der Situation notwendig sind; im Falle einer Meldung übernimmt die Justiz die Feststellung der Fakten.
  • Bitten Sie Fachpersonen um Hilfe.
  • Informieren Sie das Kind über die Schritte, die unternommen werden.

Kinder und pornografische Bilder

Der einfache Zugang zu den verschiedenen Medien schafft die Möglichkeit, leicht auf explizite sexuelle Bilder pornografischer Natur zu stossen.

Bei einem Kind, das unerwartet und zufällig mit Pornografie konfrontiert wird und eine grundlegende Sexualerziehung erhalten hat, ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass es sich von dem Material distanzieren kann. Wenn es von Erwachsenen in seinem Umfeld klare Anweisungen erhalten hat, hat es den Reflex, wegzugehen oder den Computer auszuschalten und sich an eine erwachsene Vertrauensperson zu wenden.

Ein Kind, das wiederholt und/oder in einem Erziehungsumfeld, das es nicht schützt, mit Pornografie konfrontiert wird, kann von dem Material fasziniert sein und mit einer starken emotionalen Reaktion oder starker sexueller Erregung reagieren.

Wie reagiere ich, wenn mein Kind pornografische Bilder gesehen oder gesucht hat?

  • Ermutigen Sie es, seine Gefühle (Angst, Ekel, Erregung, Unwohlsein, …) auszudrücken.
  • Ermutigen Sie es, die Seite zu verlassen und mit Ihnen darüber zu sprechen, wenn es schockierende, gewaltsame oder pornografische Bilder gesehen hat.
  • Sagen Sie ihm, dass es das Recht hat, in Bezug auf Sexualität neugierig zu sein, und stellen Sie ihm für sein Alter geeignete Bücher/Informationen zur Verfügung.
  • Drücken Sie Ihr Bedauern oder Ihre Gefühle darüber aus, dass es diese Bilder gesehen hat: „Solche Bilder werden mit Schauspieler*innen produziert, die dafür bezahlt werden, miteinander zu schlafen. Sie haben nichts mit dem echten Leben zu tun!“
  • Erklären Sie ihm, was eine von beiden Partner*innen gewollte Beziehung ausmacht: „In einer respektvollen Beziehung können Intimität, Lust, Zärtlichkeit, Leidenschaft und Liebe von grosser Bedeutung sein.“
  • Erinnern Sie Ihr Kind daran, dass es verboten ist, pornografische Bilder Kindern oder Jugendlichen unter 16 Jahren zu zeigen, anzubieten oder zugänglich zu machen.
  • Erinnern Sie es daran, dass Gesetze uns schützen.
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