Kindliche Sexualität ist nicht im Sinne der erwachsenen Sexualität zu verstehen; Sexualität gehört zur persönlichen Entwicklung des Kindes. Die Entwicklungsschritte geschehen einerseits durch körperliche Erfahrungen, andererseits durch Sprache.
Etwa im Alter von 3-6 Jahren stillt das Kind seine Neugierde durch die Erforschung seines eigenenKörpers und durch Entdeckungsspiele, die es mit anderen Kindern teilt. So werden Empfindungen und Emotionen erlebt, die mit Vergnügen, Missfallen, Unbehagen und manchmal auch Schmerz verbunden sind. Diese Spiele zu beobachten, mit dem Kind darüber zu sprechen und gegebenenfalls Grenzen zu setzen, geben ihm die nötige Anerkennung und Sicherheit.
Ab 7 Jahren interessiert sich das Kind für sexuell gefärbte Wörter und versucht, Sexualität durch Sprache besser zu verstehen. In diesem Alter kann das Kind ein starkes Schamgefühl haben und gleichzeitig von der Sexualität fasziniert sein. Es versucht, das Verbotene zu sehen: Liebesszenen in Filmen, Abbildungen, Internetseiten, usw.
Ziele der Sexualpädagogik in der Schule
Die Sexualpädagogik zielt darauf ab, dass Kinder ihren Körper und ihre Gefühle besser wahrnehmen, Gefühle ausdrücken können und in konkreten Situationen bei Bedarf Hilfe holen können.
Die Botschaften werden durch folgende Themen vermittelt:
- Gefühle, deren Funktion und Erscheinungsform im Körper
- Gute und schlechte Geheimnisse, angenehme und unangenehme Berührungen
- Das Konzept der Zustimmung kennen: wissen, dass man nein sagen darf und die Grenzen der
anderen respektiert - Grundkenntnis des Körpers, der Geschlechtsorgane und ein angemessener Wortschatz
- Intimität, Zärtlichkeit, Privatsphäre
- Sexuellen Missbrauch erkennen und wissen, wie es auf unangemessenes Verhalten reagieren
kann - Eine oder mehrere Vertrauenspersonen aus dem persönlichen Umfeld identifizieren können

Die Sexualpädagog*innen erzählen eine Geschichte von zwei Lebkuchenfiguren, besprechen Alltagsszenen mit Marionetten und erarbeiten das Thema Körper mit Hilfe von Puppen.
Im Anschluss an die Lektion vertiefen die Lehrpersonen die Arbeit mit dem „Vorsichts-Ausweis“. Sobald die Kinder die darin enthaltenen Schlüsselbotschaften gut verinnerlicht haben, wird jedem Kind ein solcher ausgehändigt.
Downloads
Lied : Brownie
Melodie «Hurrah, Hurrah der Pumuckl ist da» – Fritz Muschler, Howard Carpendale, Joachim Horn, Ulrich Koenig Edition Accord Musikverlag GmbH – Mit freundlicher Genehmigung der EMI Music Publishing Germany Gmb
Informationen zur sexuellen Integrität
Die Weltgesundheitsorganisation definiert den sexuellen Missbrauch eines Kindes oder sexuelle Gewalt an einem Kind als die Teilnahme eines Kindes an „sexuellen Aktivitäten, die es nicht vollständig verstehen oder in die es nicht vollständig einwilligen kann, auf die es entwicklungsmässig nicht vorbereitet ist oder welche die Gesetze oder gesellschaftlichen Tabus verletzen“.
Sexueller Missbrauch, in welcher Form auch immer, ist eine strafbare Handlung und wird im Strafgesetzbuch, im Sexualstrafrecht (Art. 187, 197 und 198), im Schweizerischen Zivilgesetzbuch (Art. 307, 308 und 310) und im Walliser Jugendgesetz (Art. 53, 54 und 55) geregelt.
In den meisten Situationen von Misshandlung oder sexuellem Missbrauch drückt das betroffene Kind seinen Kummer eher durch sein Verhalten als durch Worte aus. Es ist daher wichtig, auf Veränderungen in der Stimmung und im Verhalten des Kindes zu achten (Traurigkeit – Aggressivität – Schlaf- / Essstörungen – plötzliche Weigerung, eine Aktivität fortzusetzen oder nach Hause zu gehen – Angstzustände – Konzentrationsprobleme – Versagen in der Schule – sehr anhängliches Verhalten – Bauchschmerzen – Infektionen des Genitaltrakts – Verletzungen,…).
Vorsicht: Besorgniserregendes Verhalten bei Kindern kann verschiedene Ursachen haben.
Wenn ein Kind misshandelt oder sexuell missbraucht wird, ist wichtig:
- Hören Sie ihm zu und nehmen Sie es ernst.
- Versprechen Sie ihm nicht absolute Geheimhaltung, sondern grosse Verschwiegenheit.
- Stellen Sie nur die Fragen, die für das Verständnis der Situation notwendig sind; im Falle einer
Meldung übernimmt die Justiz die Feststellung der Fakten. - Bitten Sie Fachpersonen um Hilfe.
- Informieren Sie das Kind über die Schritte, die unternommen werden.
Was können Sie Kinder über sexuellen Missbrauch sagen?
Sexueller Missbrauch ist, wenn eine jugendliche oder erwachsene Person dir sein Geschlecht zeigen will oder zeigt, wenn sie dich bittet, ihr Geschlecht zu berühren, oder wenn sie deinen Penis, deine Vulva oder deinen Po anschauen, berühren, kitzeln oder küssen will. Das ist auch dann der Fall, wenn jemand dir Bilder zeigt oder dich zwingt, dir Bilder oder Videos anzusehen, die dich schockieren oder anekeln. Das kann bei dir unterschiedliche Gefühle auslösen: Verlegenheit, Unbehagen, Angst oder manchmal sogar Freude.
Du hast das Recht, nein zu sagen, auch wenn es sich um jemanden handelt, den du magst oder kennst. Wenn dir jemand sagt, dass es ein Spiel ist, dass es ein Geheimnis ist und dass du es niemandem erzählen sollst, ist es ein schlechtes Geheimnis. Erzähl es trotzdem einer erwachsenen Person, der du vertraust.
Sie als Eltern kennen Ihr Kind und Sie können daher die Erklärung an das Alter des Kindes anpassen, an die Informationen, die das Kind bereits erhalten hat, indem Sie eigene Worte benutzen, die Ihr Kind versteht und bei denen es sich wohl fühlt.